Neue Charta soll Vermittlung zur Norm bei Unternehmenskonflikten machen
Den 8. Oktober 2025
Brüssel, den 9. Oktober 2025 - Die Föderale Kommission für Mediation bläst dieses Jahr 20 Kerzen aus und nutzt dieses Jubiläum, um eine neue Initiative einzuführen: die ADR-Charta für Unternehmen (Alternative Dispute Resolution). „Diese Charta gibt Unternehmen, sektorspezifischen Organisationen und Vereinigungen die Möglichkeit, sich öffentlich dazu zu verpflichten, Konflikte in erster Instanz gütlich durch Verhandlungen oder Vermittlung beizulegen, anstatt direkt zum Gericht zu gehen“ (Übersetzung), sagt Marco Schoups, Initiator und Leiter der Föderalen Vermittlungskommission.
Damit folgt die Föderale Kommission für Mediation dem Beispiel der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs, wo ähnliche „Mediation Pledges“ schon länger eingebürgert sind. Das Ziel ist klar: Die Unternehmen sollen schneller, effizienter und konstruktiver mit Streitigkeiten umgehen und gleichzeitig eine echte Vermittlungskultur in der belgischen Wirtschaft verankern.
„Eine gut vermittelte Vereinbarung ist ein gemeinsamer Gewinn an Zeit, Mitteln und Belastbarkeit,“ (Übersetzung) sagt Ministerin der Justiz Annelies Verlinden, die der Einführung heute beiwohnt. „Gerade in Unternehmen, wo Konflikte sich tiefgreifend auswirken, hat sich das Konsensmodell schon mehrfach bewährt. Die ADR-Charta bietet die Möglichkeit, die gütliche Konfliktbewältigung in noch mehr Unternehmen zu verankern.“
Effizient und kostensparend
In der Charta werden die Unternehmen aufgefordert, in ihre Verträge Klauseln aufzunehmen, die stipulieren, dass sie bei Konflikten gütlichen Lösungen wie der Vermittlung den Vorzug geben anstatt direkt ein Gerichtsverfahren anzustreben. Daneben benennen sie auch einen internen Verantwortlichen, der die Anwendung der Charta koordiniert und die Vermittlung innerhalb und außerhalb der Organisation aktiv hinausträgt. So wird die Vermittlung nicht nur zu einer rechtlichen Vereinbarung, sondern vor allem zu einem eingebauten Reflex in der Unternehmenskultur.
Die Vorteile können bereits geschätzt werden. Durch die Vermittlung vermeiden die Unternehmen die Kosten und Unsicherheiten langwieriger Verfahren. Sie pflegen wertvolle Beziehungen zu Arbeitnehmern, Partnern und Lieferanten und sorgen für eine positive Dynamik innerhalb ihrer Teams. Kurzum: eine mehr zukunftsorientierte Art der Streitbeilegung.
Auf dem Weg zu einer Vermittlungskultur
Auch der Arbeitgeberverband, der Verband Belgischer Unternehmen, steht hinter dem Projekt. CEO Pieter Timmermans: „Die ADR-Charta ist ein Hebel für Unternehmen, um dafür zu sorgen, dass ihre Beziehungen zu Arbeitnehmern, Lieferanten und Partnern zukunftsfähig sind. In einer Wirtschaft, in der sich Zusammenarbeit lohnt, ist dieses Engagement zutreffender denn je.“
Die Initiative richtet sich an alle Unternehmen in Belgien, doch wird dem Bausektor bereits besondere Aufmerksamkeit gewidmet. So haben die sektorspezifischen Organisationen Embuild und ADEB-VBA heute Morgen ihre Unterschrift unter das Projekt gesetzt.
Auch beim Institut der Unternehmensjuristen findet diese Initiative den notwendigen Beifall. Generaldirektorin Julie Dutordoir: „Das Institut der Unternehmensjuristen teilt den Geist dieser ADR-Charta. Unternehmensjuristen stehen im Zentrum des Unternehmens und sind daher bestens geeignet, Konflikte nicht nur zu lösen, sondern auch zu vermeiden. Dies steht in engem Einklang mit unseren berufsethischen Werten und unserer Überzeugung, dass ein konstruktiver Dialog und gütliche Lösungen die Grundlage für nachhaltige Beziehungen und eine effiziente Konfliktbewältigung bilden.“ (Übersetzung)

Zweite Variante
Die Föderale Kommission für Mediation führt unverzüglich eine zweite Variante der Charta ein. Diese ist auf die sektorspezifischen Organisationen gerichtet: Mit ihrer Unterschrift unter die Charta unterschreiben sie für ihre Branche das Ziel, zuerst zu vermitteln, bevor sie zum Gericht gehen.
Die Charta mit der Vermittlungsklausel kann nicht nur für Konflikte innerhalb des Unternehmens, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern oder Arbeitnehmern untereinander verwendet werden. Auch bei Konflikten zwischen Unternehmen und ihren Lieferanten oder Subunternehmern kann die Vermittlungsklausel in die Verträge aufgenommen werden. „Der Schneeballeffekt der Vermittlung muss sich auf die gesamte Wirtschaft ausweiten“, betont Marco Schoups. „Heute wird ja viel zu viel Energie, Zeit und Geld in Gerichtsverfahren gesteckt, die dank eines Vermittlungsverfahrens vielleicht billiger, schneller, effizienter und mit positiveren Auswirkungen auf die Beziehung zwischen den Parteien hätten gelöst werden können.“ (Übersetzung)
Für die Föderale Kommission für Mediation ist die Charta der nächste Schritt in einem jahrelangen Prozess, um die Vermittlung für Unternehmen sichtbarer und zugänglicher zu machen. Die Kommission koordiniert schon seit 2005 alles, was mit der Vermittlung in Belgien zu tun hat. Mit der ADR-Charta will sie nun die Wirtschaft noch stärker einbeziehen und gemeinsam eine Kultur aufbauen, in der Dialog und gütliche Lösungen selbstverständlich sind.
Die vollständige ADR-Charta ist abrufbar unter https://sites.google.com/view/adr-charter(Opens in a new tab/window).